Die „Klosterbühne Wennigsen“ gratulierte zum 500. Geburtstag!

„Elisabeth bin ich genannt“

Am 24. August 1510 wird sie geboren – als Tochter des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg. Ihre Mutter Elisabeth entstammt dem dänischen Königshaus. Mit 15 Jahren wird sie mit dem 55jährigen Herzog Erich I. verheiratet, der das Teilfürstentum Calenberg-Göttingen von der Feste Calenberg aus regiert. Daneben dienen auch das Schloss in Hannoversch-Münden als Residenz (Oberwald) sowie das Schloss in Neustadt.

Dass alternde Politiker junge Frauen heiraten, ist keine Errungenschaft unserer Zeit. Unsere Elisabeth verheiratet ihre 18jährige Tochter Anna Maria mit ihrem 62jährigen Vetter Herzog Albrecht von Preußen. Der ziert sich am Anfang, gibt dann aber nach. Mit der ehelichen Treue nimmt man es schon damals nicht so genau. Herzog Erich I. steht auch während der Ehe weiter zu seiner Mätresse Anna von Rumschottel (ein Familienwappen der Rumschottels gibt es im Wennigser Kloster).

Elisabeth lässt – in der Überzeugung, von ihr verhext worden zu sein – ihre Nebenbuhlerin als Hexe verfolgen. Es gibt Gerüchte, die sei mit vielen anderen Frauen in Hameln auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Andere Gerüchte besagen, sie sei geflohen.

Herzog Heinrich von Wolfenbüttel (ein Neffe Erichs I.), der das Calenberger Land begehrt, kehrt nach außen den religiösen Saubermann heraus, hat aber mit seiner Mätresse Eva von Trott etliche Kinder. Als das herauskommt und er zum Gespött in ganz Europa wird, lässt er Eva von Trott sterben und feierlich in Bad Gandersheim beisetzen. In Wirklichkeit aber liegt diese zur selben Zeit in den Wehen und gebiert Heinrich wieder einmal ein Kind.

Kein geringerer als Martin Luther schreibt damals eine Streitschrift „Wider Hans Worst“ von Wolfenbüttel. Mit einem Judaslied verspottet er den Wolfenbütteler Herzog.

Dann ist da Herzog Erich II., Elisabeths Sohn. Eine tragische Figur. Elisabeth lässt ihn von den besten Hauslehrern sowie dem Reformator Antonius Corvinus erziehen. Er wird von der stolzen Mutter auch Martin Luther vorgestellt. Doch schon Luther empfindet Sohn Erich als sehr zwiespältig.

Elisabeth wird mit 30 Jahren Witwe. Nun regiert sie für ihren 12jährigen Sohn das Fürstentum. In diesen wenigen Jahren liegen Elisabeths überaus verdienstvolle Taten.

Beseelt von der Lehre Luthers setzt sie mit Corvins Hilfe im Calenberger Land die Reformation durch. Ihr Handeln ist von einer tiefen Gläubigkeit bestimmt. Daneben will sie den Staatsverschuldungen – herbeigeführt durch das üppige gesellschaftliche Leben der herrschenden Männer – mit einer Verwaltungsreform ein Ende setzen. Sie schützt die Calenberger Klöster vor der Ausbeutung durch den Adel. Junge Frauen sollen dort weiterhin eine Heimat finden. Eigene Schulden zahlt sie stets zurück. Ein Mal leiht sie sich vom Kloster Wennigsen Geld. Ihr Sohn Erich dagegen verpfändet das Kloster später wegen seiner Schulden.

Erich II. bereitet seiner dominanten Mutter viel Kummer. Sie hat ihn mit der Tochter des Kurfürsten Philipp von Hessen verheiraten wollen. Mit 16 Jahren soll er in Kassel seine Braut kennen lernen. Dort verliebt er sich aber in die 10 Jahre ältere Sidonia von Sachsen, die er dann auch heiratet. Elisabeth muss die Schmach der geplatzten Verlobung ausbaden.

Erich II. lässt Frau und Mutter in Münden zurück. Es zieht ihn zum Heer des Kaisers.

Bevor er abreist, übergibt er seiner Mutter wieder die Regierungsgeschäfte. Er schwört ihr, die Reformation im Lande weiter zu fördern und die Protestanten am Hof des Kaisers zu schützen. Elisabeth schreibt einen Brandbrief an Kaiser Karl V. und bittet um Erichs Entlassung.

Nichts davon geschieht. Erich wird katholisch und führt die Truppen des Kaisers gegen die Protestanten. Er belagert Bremen, scheitert aber und wird für die Niederlage vom Kaiser verantwortlich gemacht.

Er kehrt nach Münden zurück, übernimmt wieder das Regieren und leitet – zum Entsetzen seiner Mutter – die Gegenreformation ein. Es geht die Angst um im Calenberger Land. Corvinus wird verhaftet und auf der Feste Calenberg eingekerkert. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit Erich II.. Sein Vetter Heinrich von Wolfenbüttel, der schon seinen Vater beim Kaiser angeschwärzt hat, wiederholt das Spiel mit dem Sohn. Der Kaiser setzt Heinrich als Kurator über Erich, der Hilfe bei seiner Mutter sucht. Diese zettelt einen Krieg gegen Heinrich an, um dieses Problem ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen. Es kommt 1553 zur blutigen Schlacht von Sievershausen. Von den 40.000 beteiligten Kämpfern finden 4.500 den Tod – darunter zwei Söhne des Herzogs Heinrich von Wolfenbüttel.

Heinrich schwört Rache und fällt mit seinen Truppen in das Calenberger Land ein. Elisabeth flieht nach Hannover. Dort lebt sie zwei Jahre. Ihr wird kaiserlicher Geleitschutz und eine Abfindung zugesagt, wenn sie ihr Fürstentum verlässt. Von dem Geld begleicht Elisabeth ihre Schulden in Hannover (5.000 Taler). 1555 verlässt sie Hannover und zieht zu ihrem zweiten Ehemann nach Thüringen, wo sie – physisch und psychisch schwer erkrankt – 1558 stirbt.

Die zwei Seiten dieser „Power“- Frau des 16. Jahrhunderts können Sie im Theaterstück der „Klosterbühne Wennigsen“ im August miterleben. Nach dem Stück „Frauenköpfe“ (2008) zeigt der Theaterkreis der Marien-Petri-Gemeinde nun: „Elisabeth bin ich genannt“